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WIE TIERE HEILEN HELFEN

Aufzeichnung des Akademietreffens

Mensch-Tier-Beziehung: Wie Tiere unser Gehirn und Verhalten positiv beeinflussen

»Tiere können Menschen auf eine Art berühren, die für andere Menschen schwierig ist.«

Die Beziehung zwischen Mensch und Tier ist ein faszinierendes Forschungsgebiet, das in den letzten Jahren zunehmend wissenschaftliche Aufmerksamkeit erfährt. Prof. Dr. Andrea Beetz, Expertin für Mensch-Tier-Beziehungen und Professorin für Heilpädagogik und Inklusionspädagogik in Erfurt, erforscht die neurobiologischen Grundlagen dieser besonderen Verbindung.

Warum uns bestimmte Tiere besonders nahestehen

Menschen fühlen sich besonders zu Tieren hingezogen, die uns phylogenetisch nahestehen – also sozial lebende Säugetiere wie Hunde, Pferde oder Katzen. Der Grund: Diese Tiere haben ähnliche Gehirnstrukturen und neurobiologische Mechanismen wie wir Menschen. Sie verfügen über vergleichbare Stresssysteme und soziale Interaktionsmuster, was die gegenseitige Verständigung erleichtert.

Neurobiologische Effekte der Mensch-Tier-Interaktion

Die Forschung hat verschiedene positive Auswirkungen der Interaktion mit Tieren auf unser Nervensystem nachgewiesen:

  • Stressreduktion: Bereits Ende der 1980er Jahre zeigte Erika Friedmann, dass die Anwesenheit eines Heimtiers bei schwierigen Aufgaben weniger Stress verursacht als die Anwesenheit eines Menschen – vermutlich weil die Angst vor sozialer Bewertung wegfällt.
  • Oxytocinausschüttung: Körperkontakt mit Tieren, besonders das Streicheln, führt zur Ausschüttung des „Bindungshormons“ Oxytocin – und zwar bei beiden Beteiligten. Dies reduziert Stress, dämpft Aggressionen und erhöht das Vertrauen.
  • Aktivierung sozialer Gehirnnetzwerke: Bildgebende Verfahren zeigen, dass beim Betrachten von Bildern des eigenen Heimtiers ähnliche Gehirnareale aktiviert werden wie beim Anblick von Familienangehörigen.

Therapeutische Anwendungen

Die neurobiologischen Erkenntnisse finden zunehmend Eingang in therapeutische Konzepte:

  • Trauma-Therapie: Tiere können helfen, wieder Körperkontakt zuzulassen – etwa bei traumatisierten Menschen, die den Kontakt zu anderen Menschen scheuen.
  • Coaching: Im Führungskräftetraining können Tiere als „Feedback-Geber“ für Körpersprache und Authentizität dienen.
  • Pädagogik: Schulhunde können Kindern helfen, Ängste abzubauen und Lernerfolge zu erzielen.

Wichtige Takeaways

  1. Die positive Wirkung von Tieren auf Menschen ist wissenschaftlich nachweisbar und basiert auf neurobiologischen Mechanismen.
  2. Tiere können therapeutische Prozesse unterstützen, indem sie Vertrauen aufbauen und Stress reduzieren.
  3. Bei tiergestützten Interventionen muss immer das Wohlergehen des Tieres im Fokus stehen – nur ausgewachsene, charakterlich geeignete Tiere sollten eingesetzt werden.
  4. Die Mensch-Tier-Beziehung kann eine Brücke zu verbesserten zwischenmenschlichen Beziehungen sein.

Andrea Beetz studierte Psychologie an der FAU Erlangen-Nürnberg und setzte sich schon während des Studiums mit der Mensch-Tier-Beziehung auseinander.

In ihrer weiteren, interdisziplinär ausgerichteten Forschung im Rahmen von Promotion und Habilitation und mehrjährigen Forschungsaufenthalten in den USA (UC Davis, California, Utah State University Logan) und UK (University of Cambridge), forschte sie zu verschiedenen positiven Effekten von Tieren auf Menschen, wie Stressreduktion und Aktivierung des Oxytozinsystems, sowie zugrundeliegenden Mechanismen.

Ihr Fokus liegt auf der Bindungstheorie, neurobiologischen Veränderungen durch die Interaktion mit Tieren und Effekten von tiergestützten Interventionen in pädagogischen und therapeutischen Settings.

Länge 69 Minuten | Aufzeichnung vom Akademietreffen am 24.06.2024

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Hier die Aufzeichnung anschauen: